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Walluf: Demonstration für Flüchtlinge am 08.11.2015 – Pressemitteilung der Gemeinde Walluf

Rede des Vorsitzenden der Gemeindevertretung Walluf

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

DANKE – danke dafür, dass sie in so großer Zahl dem Aufruf der Gemeindevertretung gefolgt sind und an der heutigen Demonstration

- für eine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen und

- gegen den mit der Tat gezeigten Akt der Fremdenfeindlichkeit teilnehmen.

Diese Zusammenkunft als Demonstration „Pro Flüchtlinge“ soll ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass Wallufer Bürgerinnen und Bürger solche Aktionen der Zerstörung in Verbindung mit den Flüchtlingsströmen – als solche wird diese Verwüstungstat eingestuft – nicht tolerieren.

„Man liest so etwas in der Zeitung, glaubt aber nicht, dass es auch in einem Ort wie Walluf passieren könnte.“ Diese Aussage von Herrn Bürgermeister Kohl in der Gemeindevertretung deckt sich sicher mit den Gefühlen vieler Wallufer.

Bis zum letzten Sonntag schien die Welt in unserer Gemeinde noch in Ordnung.

Seit Herbst vorigen Jahres leben zahlreiche Flüchtlinge in Walluf. Menschen, die aus ihren Heimatländern in Asien bzw. Afrika geflohen sind,

- weil sie wegen ihrer Gesinnung, ihres Glaubens um ihr Leben fürchten mussten

- weil dort eine menschenwürdiges Leben nicht mehr möglich war

- weil Familienangehörige, Freunde und Bekannte getötet wurden

Diese Menschen sind auf abenteuerlichen Wegen unter für uns wahrscheinlich kaum vorstellbaren Strapazen und Gefahren geflohen, um dem Alptraum in ihrer Heimat zu entkommen.

Die Flüchtlinge wurden und werden in Walluf mit großer Offenheit aufgenommen und von zahlreichen Mitbürgern ehrenamtlich gut begleitet. Sie haben sich geräuschlos in unser Gemeinwesen eingegliedert und bringen sich an der einen oder anderen Stelle – z.B. im Bauhof – positiv ein. Nennenswerte Probleme gab es bisher nicht.

Die Zerstörung in dem zukünftig als Flüchtlingsunterkunft genutzten Haus hier in der Johannisbrunnenstraße war für viele Mitbürgerinnen und Mitbürger unvorstellbar. Dieser Akt der Fremdenfeindlichkeit hat sicher einiges verändert – aber er kann und darf nicht dazu führen, dass sich das bisherige positive Klima pro Flüchtlinge dadurch ins Gegenteil verkehrt!

Daher bin ich als Vorsitzender der Gemeindevertretung auch sehr froh darüber,

- dass spontan der Aufruf kam, wir müssen Flagge zeigen

- dass die Gemeindevertretung einstimmig eine Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit beschlossen hat und

- dass Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger in so großer Zahl dem Aufruf der Gemeindevertretung gefolgt sind  um  öffentlich zu demonstrieren, dass solch schädigendes Verhalten abgelehnt und für einen demokratischen Staat nicht tragbar ist.

Erlauben Sie mir an dieser Stelle die Resolution der  Gemeindevertretung zu zitieren:

Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit

„Die Gemeindevertretung Walluf nimmt mit Bestürzung und Abscheu Kenntnis von einem Akt der Fremdenfeindlichkeit im Bereich unserer Gemeinde, der bisher hier so nicht vorstellbar war.

Kurz vor Inbetriebnahme wurde eine von der Gemeinde als Flüchtlingsunterkunft erworbene Immobilie durch eine kriminelle Tat unter Wasser gesetzt und somit für eine unabsehbare Zeit unbrauchbar gemacht.

Die Mitglieder der Gemeindevertretung verurteilen diese sich gegen eine menschenwürdige Unterbringung von Schutzsuchenden gerichtete Tat. Sie machen deutlich, dass sie sich entschieden gegen Fremdenfeindlichkeit jeder Art verwehren und Flüchtlinge in der Gemeinde Walluf willkommen sind.“

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen bzw. Asylbewerberinnen und Asylbewerber ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die wir alle nur gemeinsam lösen können.

Die große Politik auf europäischer, Bundes- und Landesebene, aber auch die Politik vor Ort in den Städten und Gemeinden und somit auch die Bürgerinnen und Bürger. Nur wenn sich niemand seiner Verantwortung entzieht und jeder Einzelne seinen Beitrag hierzu leistet, werden wir diese große Herausforderung erfolgreich meistern können.

Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass in Anbetracht der derzeit noch nicht absehbaren Entwicklung auch Sorgen und Ängste bestehen. Wir sollten uns aber  immer darüber im Klaren sein, dass es um Menschen geht, die aus Angst um ihre Gesundheit und ihr Leben ihre Heimat auf zum Teil abenteuerlichen Wegen verlassen und die Strapazen auf sich genommen haben. Für uns, die wir in einer vermeintlich friedlichen Welt leben, ist dies kaum vorstellbar.

Mit der heutigen Zusammenkunft haben wir ein deutliches Zeichen gesetzt. Ein Zeichen dafür, dass Flüchtlinge in Walluf mit offenen Armen aufgenommen werden, ein Zeichen dafür, dass Aktionen, wie die Beschädigung dieser Unterkunft, von uns nicht toleriert werden.

Ich danke Ihnen allen, dass Sie mit ihrer Teilnahme dieses Zeichen mit uns gemeinsam gesetzt haben. Walluf und seine Bürgerinnen und Bürger stehen zu ihrer Verantwortung, Flüchtlingen ein neues Zuhause zu geben. Ob sie hier auf Dauer eine neue Heimat finden werden, das wird sich zeigen, wenn über die Asylanträge entschieden ist.

Aber eines sollte zum Abschluss meiner Rede nochmals als deutliches Signal gesetzt werden. Wir nehmen diese Menschen mit offenen Armen auf. Hier in Walluf ist kein Platz für fremdenfeindliche Aktivitäten.

Ich wünsche Ihnen, ich wünsche uns allen noch einen friedlichen Sonntag.

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