Syrien 06. Januar 2026: Neue Angriffe mit Toten und Verletzten in Aleppo. Rede Dr. Michael Wilk  10.01.26 Frankfurt Hauptwache

Am Abend des 06. Januar 2026 begannen bewaffnete Gruppierungen, SNA Milizen, darunter viele frühere IS Kämpfer, die der Regierung in Damaskus nahestehen, einen Großangriff auf die Viertel Sheikh Maqsoud und Ashrafieh in der Stadt Aleppo im Norden Syriens. In diesen Vierteln leben über 500.000 Einwohner (etwa 55.000 kurdische Familien) sowie kurdische Binnenvertriebene, die aus der von türkisch unterstützten Gruppierungen kontrollierten Region Afrin vertrieben wurden. Die Angriffe starteten, als dem Verteidigungsministerium nahestehende Streitkräfte begannen, Zivilisten mit Selbstmorddrohnen anzugreifen. Anschließend setzte ein wahlloser Beschuss ziviler Wohngebiete ein.

Ich verlese einige Sätze von Dr. Ferhat.: 

„In der Region Sheikh Mahsut Eşrefi in Aleppo herrscht derzeit eine schwere humanitäre, psychologische und militärische Krise. Die Zivilbevölkerung wird systematisch vertrieben, verarmt und unter Druck gesetzt, was zu einer erzwungenen demografischen Veränderung führt. Wir Ärzte sind vor Ort und beobachten die Situation unmittelbar. Krankenhäuser sind mit zivilen Verletzten überlastet, Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal werden gezielt angegriffen. Vertriebene Zivilisten werden wie Gefangene oder Kriegsgefangene behandelt. Was hier geschieht, ist längst kein lokaler Konflikt mehr, sondern eine akute humanitäre Krise mit drohendem Massaker. Wir fordern daher die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie internationale medizinische und humanitäre Organisationen zu einer sofortigen und direkten Intervention vor Ort auf. Der Einsatz unabhängiger Beobachter und internationaler medizinischer Teams ist dringend erforderlich. Heute ist ein Tag von Leben oder Tod. Die kurdische Bevölkerung – insbesondere Frauen, Kinder und Jugendliche – ist einer massiven Bedrohung ausgesetzt. Brutale Praktiken des IS werden erneut angewendet, während die Welt größtenteils schweigt. Wir vertrauen auf Ihre Sensibilität und Solidarität im Namen der Menschlichkeit und der ärztlichen Ethik.“

Die Selbstverwaltung der kurdischen Stadtteile berichtet: „Das Morden der islamistischen Milizen der Al Scharaa Regierung gegen die Kurdische Bevölkerung von Aleppo geht weiter: „In der gegenwärtigen Situation werden überall dort, wo die Milizen vorgerückt sind, Massaker an Zivilisten verübt. Mit anderen Worten: Dieselben Gräueltaten und Massaker, die gegen Alawiten und Drusen verübt wurden, finden nun auch in unseren Vierteln statt. (…)” 

Wie fast immer schweigt die deutsche Politik: Schlimmer noch: “Der Bürgerkrieg sei vorbei”, wird dreist behauptet, “die Lage sei sicher.” Mit dem Stichwort “Abschiebeoffensive” werden Zwangsrückführungen gefordert. Die Zerschlagung des Assad Regimes bedeutet jedoch mitnichten das Ende militärischer Auseinandersetzungen in Syrien. Die Übergangsregierung des Präsidenten al Scharaa mit islamistischen Al Kaida Wurzeln, versucht ein zentralistisches, auf Damaskus ausgerichtetes, Regime zu errichten. Minderheiten werden weiter entrechtet und wiederholt zum Ziel bewaffneter Angriffe. Bereits im März 25 verübten Truppen der Übergangsregierung Massaker an Alawiten, bis zu 1000 Menschen starben. Auch in der Provinz Suweida, wo viele Drusen leben, gab es wiederholt Kämpfe, die Region befindet sich in einer Art Belagerungszustand. Die kurdischen, aramäisch/assyrischen, jesidischen und arabischen Menschen der multiethnischen Region Nord- und Ostsyrien #Rojava werden immer wieder durch Angriffe von Türkei gesteuerten Milizen gefährdet. Vor allem die CDU/ CSU betreibt realitätsferne menschenfeindliche Propaganda. Es geht um Hetze gegen Geflohene- und durchschaubar nicht um den Wiederaufbau einer demokratisch- föderativen syrischen Gesellschaft, in der Menschen verschiedener Ethnien friedlich miteinander leben können. Die Forderung nach de facto Auflösung kurdischer bzw SDF Selbstverteidigungverbände und individueller Eingliederung in eine syrische Armee unter Führung einer dem #Erdoganregime hörigen Zentralregierung, ist unter den gegebenen Verhältnissen weiterhin abzulehnen. Eine Perspektive, die Menschenrechte, die Gleichberechtigung der Geschlechter und kulturelle Eigenheiten der multiethnischen Region schützt, besteht in einem föderalistischen System, nicht in einer autoritären al-Kaida nahen Zentralregierung.