Rojava Infoveranstaltung zur aktuellen Situation 27.01.2026

Dringend: Die Situation in Nordostsyrien #Rojava ist katastrophal. Es geht nicht nur um das emanzipative Gesellschaftsmodell der Region, sondern um das nackte Überleben der Menschen.
Lest die verzweifelte Nachricht von Co-Bürgermeisterin Emîna Wêso und Co-Bürgermeister von Kobanê Fewaz Ehmed, Kobanê, 20.01.2026
„Was wir in Kobanê erleben, ist jenseits der Vorstellungskraft der Menschen. Noch bevor die
Angriffe begannen, wurden die Trinkwasserversorgung und die Elektrizität durch die HTS (Hayat Tahrir Al-Sham) unterbrochen. Etwa 400.000 Menschen haben keinen Zugang mehr zu diesen
elementaren Dingen. Hinzu kommt, dass die Stadt vollständig umzingelt ist. Im Norden von
Kobanê verläuft die türkische Grenze. Menschen, die sich dieser Grenze genähert haben, wurden
von türkischen Soldaten beschossen. Die HTS hat uns von drei Seiten eingeschlossen. Wir befinden
uns in einer sehr schwierigen Belagerungssituation.
Kinder, ältere Menschen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen mit chronischen Krankheiten befinden sich in einer äußerst schwierigen Lage. In
der Stadt gibt es nicht ausreichend Medikamente. Tausende Kinder können nicht zur Schule gehen.
Darüber hinaus stehen Tausende junge Menschen aus Kobanê, die für das Leben, für die Welt und
für die Menschheit gegen die Dunkelheit gekämpft haben, heute einem möglichen Völkermord
gegenüber. Dennoch leisten sie weiterhin Widerstand – mit den geringsten verfügbaren Mitteln. Der türkische Staat und die Übergangsregierung der HTS bombardieren die Dörfer rund um Kobanê
schwer. Zu diesen Dörfern haben wir keinen Kontakt mehr; was dort geschieht, weiß niemand.
Die Grausamkeit und Brutalität, die sich im Umland von Kobanê abspielen, sind herzzerreißend.
Wenn ein Dorf überfallen wird, wird zuerst der Internetzugang gekappt und Telefone werden
beschlagnahmt. Finden sie auf den Telefonen auch nur die geringsten Anzeichen einer
Zusammenarbeit mit der Selbstverwaltung, werden die Menschen brutal massakriert.
Auch wir sind größtenteils von der Außenwelt abgeschnitten. Deshalb hoffen wir und rufen dazu
auf, dass alle demokratischen und friedliebenden Menschen, alle, die während des Widerstands
2014 an der Seite Kobanês standen, nicht schweigen und sich weltweit Gehör verschaffen. Wir in
Kobanê rufen so laut wir können – doch offenbar werden wir nicht gehört. 4.000 unserer
Kämpfer:innen aus Kobanê gaben ihr Leben, um die Menschheit zu verteidigen (gegen den IS).
Wir haben niemanden angegriffen. All unsere Bemühungen galten dem Frieden unserer Völker und
der Nachbarländer. Leider sehen wir heute, dass abgesehen von unseren eigenen Kräften und
unseren jungen Menschen, die sich im Rahmen der Generalmobilmachung verteidigen, sich nur
wenige sich laut an unsere Seite stellen. Wir sind Massakern und einem Genozid ausgesetzt. HTS-
Kämpfer veröffentlichen ständig Videodrohungen, in denen sie ankündigen, die Menschen in
Kobanê zu enthaupten.
Die Welt weiß, wer Kobanê ISIS besiegt hat. Die Bevölkerung von Kobanê hat das dunkle Projekt
des Islamischen Staates zum Scheitern gebracht. Doch heute sehen wir nur noch wenige von denen
an unserer Seite, die einst behauptet haben, solidarisch mit der Bevölkerung von Kobanê zu sein.
Als Bevölkerung von Kobanê haben wir entschieden: Wir werden Widerstand gegen den Genozid leisten. Wir werden uns, unsere Familien und die Errungenschaften unserer Revolution verteidigen.
Wir rufen alle erneut dazu auf, an der Seite der Menschen in Kobanê zu stehen, Solidarität zu
zeigen und Öffentlichkeit herzustellen. Das Schweigen um uns herum ist schlimmer als der Tod
selbst. Schweigt nicht!
Co-Bürgermeisterin und Co-Bürgermeister von Kobanê Emîna Wêso und Fewaz Ehmed, Kobanê, 20.01.2026“

Solidarität mit den Menschen in Nordostsyrien #Rojava, das Schweigen brechen, handeln.